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Kronenberg – Getränke in der 4. Generation

Wer kennt nicht Kronenberg? Weit über die Dorfgrenzen von Großbüllesheim hinaus ist der heimische Getränkevertrieb von Petra Kronenberg-Zeljak bekannt. Und das nicht ohne Grund, hat doch die eingesessene Familie seit über 100 Jahren für das leibliche und somit neben der wichtigen Geistlichkeit auch für das dringende seelische Wohl unserer Dörfler gesorgt. 

Der Betrieb wurde knapp vor Beginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 von Heinrich Kronenberg gegründet. Dieser übernahm das Haus von der Familie Wery, die bereits eine Gaststätte betrieb. Diese befand sich auf altem Grunde, wurden doch beim Bau des Hauses Funde aus der Frankenzeit gemacht, die auf ein fränkisches Gräberfeld hindeuteten. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass der heutige Großbüllesheimer Freundschaftsbund schon damals unter dem Namen Junggesellenverein „Jugendstil“ bei Werys – heute Kronenberg-Zeljak – ein und ausging.

 

Zu Recht und mit Stolz stammt Petra Kronenberg-Zeljak aus einer echten Bierkutscher-Familie, fuhr doch Uropa Heinrich, für heutige Verhältnisse sehr mühevoll, regelmäßig mit dem Pferdewagen nach Brühl, um das begehrte Kölsch und die für die Kühlung notwendigen Eisblöcke zu beschaffen.

Nach den Wirren des 2. Weltkriegs führte Opa Wilhelm Kronenberg gemeinschaftlich mit seinem Bruder Theodor die Geschäfte. Unter den Entbehrungen der Nachkriegsjahre entwickelte sich die Örtlichkeit zum Unterhaltungszentrum des Dorfes. Grund dafür war ein vorhandener Saal, der als Dorfsaal genutzt wurde.

Dieser wurde als Tanzsaal, als Kino und für Theatervorführungen verwendet. Noch heute zeugen die an den Holzsäulen hängenden Kerzenleuchter und Fahnenhalter von den festlichen Jahren. Und gerade die älteren Großbüllesheimer erinnern sich gerne daran und sprechen voller Wehmut: „Nee, wat ham mer he vill Spass jehat!“ Vereinzelt denken sie auch dabei, dass sie dort ihre Frauen kennen lernen durften. Ein wahrlich wichtiger Ort! Dabei schauen sie beim heutigen Biereinkauf vielleicht auf einen kleinen Bodenbereich mit einem Stück des originalen Tanzbodens.

Überhaupt, die Familie Kronenberg steht und stand immer für TraditionHumor und familiärem Verhalten. So wurden in einer Anekdote vom Vater Theo Kronenberg die Betrunkenen mit einem LKW aufgelesen und jeweils nach Hause gefahren. Auch hatte die Familie nach einem Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft durch den 1. FC Köln den Bürgersteig rot/weiß gestrichen und eine Siegesfeier mit über 300 Menschen veranstaltet.

Ebenso war die Kirmes immer ein großer Höhepunkt, es war das ultimative Dorffest. In einem Jahr wurde der familiäre Kirmes-Festbraten bei einem Haus-Besuch junger Fußballer einfach „fotjefresse“! Für die eigene Familie gab es darum später leider nur „Botterrame“. Gerne besucht war auch immer der „Große Hahnenball“, eine alte Tradition nach Abschluss des Festes. Erinnerungen...

Petra Kronenberg-Zeljak wuchs im direkten Umfeld der Gastronomie auf.  Saßen die Männer sonntags in Reih und Glied an der Theke, wurde ihr als kleines Mädchen von diesen Sonntagsgeld in die offenen Hände gelegt. Auch hat die kleine Petra in der Gaststätte gerne gesungen. Ein liebes Dorforiginal brachte ihr dabei folgenden Liedtext bei: 

„In Wüschheim brennt es!
In Wüschheim brennt es!
Lauft rüber, lauft rüber!
Feuer, Feuer, Feuer, Feuer!
Wir haben kein Wasser!“

Ob das liebe Original mit der letzten Textzeile ein Kölsch ordern wollte, entzieht sich heute allem Wissen.

Auch bekam zum 1. Mai jede Gaststätte einen Maibaum. Traurig nur, dass in einem Jahr der hohe Baum abgesägt wurde, so dass nur ein dicker Stummel über blieb. Die Täter mögen sich heute bitte bei Petra melden, die Verjährungsfrist ist abgelaufen, eine Strafe ist nicht mehr zu erwarten!

 
Heute wird der Betrieb durch Petra Kronenberg-Zeljak in 4. Generation fortgeführt. Mit ihrem Ehemann Mladen, der guten und vor allem starken Seele des Geschäfts, kämpft sie sich („Wer hier nichts zu sagen hat, ist selber schuld!“) durch die ellenbogenbehaftete Männerdomäne Getränkebranche.

Alle sind gerne gesehen, Nähe wird gerne gehalten. Ob es nun das morgendliche Vatertagstreffen oder der jährliche Jahresausklang ist: Spontanität, Flexibilität, Humor und Tradition sind Programm.

Petra liebt ihren humorvoll genannten „Saftladen“! Mit ihrem manchmal rauen, aber dafür herzlichen Wesen, führt sie die Familientradition fort. Und wenn dann mal ein Bayrischer Weißbier Vertreter kommt und fordert: „Sprechen Sie doch Hochdeutsch!“ kann sie eben nur antworten: „Geh doch nach Köln und lerne Platt!“

Ludwig Szopinski